Auszüge aus dieser Ausgabe:

„Ich bin eher einer, der Fußball arbeitet.“ – Interview mit Marcel Rozgonyi
Theo, wir fahr‘n nach Lech
www.demballegal.de
Noch ein Reförmchen?
Die Randgruppenecke
Veni Vidi Verdi (Aida 1)



„Ich bin eher einer, der Fußball arbeitet.“

(sr/mj) Im Pokalspiel gegen Emile Mpenza hatte er offensichtlich Eindruck auf Rudi Assauer und Huub Stevens gemacht, denn seit Anfang der Saison gehört Marcel Rozgonyi zum Schalker Profi-Kader. Doch im Gegensatz zu Neuzugängen wie Agali oder Vermant steht der ehemalige Magdeburger zur Zeit weniger im Licht der Öffentlichkeit. SCHALKE UNSER sprach mit ihm über Betriebssportgemeinschaften, das Essen von Kiwis und Haare am Sack.

SCHALKE UNSER:
Über dich weiß man eigentlich recht wenig. Was hast du vor deiner Zeit bei Schalke so gemacht?

MARCEL ROZGONYI:
Ich bin 1976 in Hoyerswerda geboren und dort aufgewachsen. Die Stadt war damals eine typische DDR-Industriestadt in Plattenbauweise mit 80.000 Einwohnern, von denen heute nur noch 30.000 übrig geblieben sind. Ich bin trotzdem immer wieder gern dort; das ist meine Stadt. Der größte Arbeitgeber war damals das Gaskombinat „Schwarze Pumpe“ mit 55.000 Beschäftigten, wo ich in meiner Jugendzeit ein Schulpraktikum absolvierte. Mit Fußball habe ich bei der Betriebssportgemeinschaft „Aktivist Schwarze Pumpe“ angefangen. Anschließend habe ich für Energie Cottbus gespielt. Später bin ich zur Polizei gegangen und habe für sechs Jahre mit dem Fußball aufgehört. 1998 habe ich den Polizeidienst quittiert. Dann habe ich wieder in Hoyerswerda gespielt und schließlich für Magdeburg. Dort habe ich dann im Pokal gegen Köln gekickt und gegen Bayern, wo ich den Elber abgemeldet habe, gegen den KSC und schließlich gegen Schalke. Dabei ist man auf mich aufmerksam geworden, und von den verschiedenen Angeboten habe ich mich schließlich für Schalke 04 entschieden, weil ich denke, dass das einer der Vereine ist, zu denen ich mit meiner Mentalität am besten passe.

SCHALKE UNSER:
Welche Angebote hattest du denn noch?

MARCEL ROZGONYI:
Frankfurt und Stuttgart waren im Gespräch, ebenso der HSV. Ich habe mich für Schalke entschieden und sitze jetzt hier auf der Tribüne (lacht). Wenn ich schon nicht spielen kann, würde ich lieber in der Nordkurve stehen, aber dafür bekommen wir Spieler leider keine Karten. Zum Spiel gehört ‚n Bier und ’ne Bockwurst und kein Kaviar.

SCHALKE UNSER:
Den Wechsel von Magdeburg nach Schalke, also von der Ober- in die Bundesliga, stellen wir uns schon heftig vor. Der Wechsel von Hoyerswerda zu einem Traditionsverein wie Magdeburg war aber bestimmt auch schon groß.

MARCEL ROZGONYI:
Das stimmt. In Hoyerswerda haben wir nur drei mal in der Woche trainiert und vor 500 Zuschauern gespielt. Das ist natürlich ein Riesenunterschied zu Magdeburg, wo auch mal 30.000 Leute zu den Pokalspielen gekommen sind. Dort habe ich zum ersten Mal meine Trainingsklamotten gewaschen und die Schuhe gestellt bekommen. Die Masseure und der Mannschaftsbus waren für mich auch neu. Der Wechsel nach Schalke ist dann noch ein anderes Level. Wenn ich jetzt zum Fußballspiel fahre, ist das einzige, was ich mitnehme, meine Waschtasche. Wir haben hier praktisch eine Rundumbetreuung. Der Unterschied von der Oberliga zur Bundesliga ist natürlich groß. Vielleicht nicht vom Körperlichen und von der Fitness; ich denke schon, dass ich sehr gut im Stoff bin. Viel macht man halt mit dem Auge. Guckt euch mal den Hajto an. Er macht alles mit dem Auge, ein Superfußballer! Er ist zwar nicht schnell, aber er hat für mich die beste Hinrunde hier gespielt, er und Olli Reck. Schaut mal, wen habe ich da alles auf meiner Position: Hajto, Waldoch, Oude-Kamphuis – alles Nationalspieler. Das sieht natürlich schlecht aus für mich; da müssten sich schon alle drei verletzen.

SCHALKE UNSER:
Du könntest ja mal beim Training die Blutgrätsche ansetzen.

MARCEL ROZGONYI:
Das ist nicht meine Art. Ich habe bei Schalke angefangen, um erst mal zu lernen. Es ist natürlich für einen Sportler keine Motivation, wenn man erst mal nicht dabei ist und nur lernt. Trotzdem finde ich das richtig. Stellt euch mal vor, man hätte mich sofort spielen lassen und ich hätte dann gespielt wie ’ne Bratwurst. Dann hätte ich nach Hause gehen können.

SCHALKE UNSER:
Habt ihr Spieler schon Kontakt mit Frank Neubarth gehabt?

MARCEL ROZGONYI:
Ich habe ihn fast an der Geschäftsstelle mit dem Auto überfahren, aber ich glaube, er hat das gar nicht mitbekommen. Persönlich kennen gelernt habe ich ihn noch nicht. Ich kenne ihn natürlich als Spieler aus dem Westfernsehen.

SCHALKE UNSER:
Apropos Westfernsehen. Als die Mauer fiel, warst du 13.

MARCEL ROZGONYI:
Ich war gerade als Fußballer bei der DDR-Spartakiade. Ich habe eigentlich nichts mitgekriegt und mir war das damals auch egal, ob die Mauer fällt oder nicht. Ich kannte zum Beispiel keine Kiwis und mir war das beim ersten mal auch ein Rätsel, wie man die isst.

SCHALKE UNSER:
Du hast früher auch andere Sportarten betrieben.

MARCEL ROZGONYI:
Das war während meiner Zeit beim Bundesgrenzschutz. Dort habe ich „Polizei-Siebenkampf“ gemacht. Schwimmen, Schiessen, 3000 m Geländelauf, 100 m, Hürdenlauf, Kugelstoßen und Speerwerfen waren die Disziplinen. Und natürlich wurde im Training auch Fußball gespielt.

SCHALKE UNSER:
Du siehst dich als Vollprofi, mit Wässerchen trinken und zeitiger Bettruhe?

MARCEL ROZGONYI:
Ich bin zu hundert Prozent Profi und so hartgesotten, dass ich dem alles unterordne. Wenn man die richtige Einstellung hat und den Ehrgeiz, kann das relativ schnell gehen. Ich bin persönlich kein sehr guter Fußballer. Ich bin eher einer, der Fußball arbeitet. Ich kann den Ball jetzt nicht 500 mal jonglieren oder andere Tricks. Aber viele, die große Talente gewesen sind und technisch, links wie rechts, viel drauf hatten, gerade in der DDR, wo sehr viel Wert auf die Technik gelegt worden war, sind abgerutscht. Die haben Kopfprobleme bekommen, angefangen zu saufen und sind abgesackt. Die hätten es viel, viel weiter bringen können als ich. In der Jugend hat man gesagt: „Nationalspieler, der zweite Beckenbauer.“ Da haste gerade die ersten Haare am Sack gekriegt und Weiber kennen gelernt und dann war´s vorbei. Dann ging es statt zum Training in die Disco.

SCHALKE UNSER:
Statt in die Disco bist du mit 16 zum Bundesgrenzschutz gegangen.

MARCEL ROZGONYI:
Ja, aber nach sechs Jahren konnte ich dort nicht mehr arbeiten. Wegen des Bürokratentums und wegen der Engstirnigkeit meines Vorgesetzten. Der war über sechzig, und wer weiß, wo der schon gedient hatte. Zum anderen muss man sich vorstellen, dass man an der Grenze Leute aufgeschnappt und nach zwei, drei Tagen wieder nach Polen abgeschoben hat. Die sagen dir offen ins Gesicht: „In einer Woche bin ich wieder da.“ Und, ich schwör´s euch, eine Woche später war der tatsächlich wieder da. Was will man den Leuten auch vorwerfen? Wenn ich in Rumänien leben müsste, ich würde zusehen, dass ich meine Sachen packe und meine Familie da unterbringe, wo es uns besser ginge. Dann bekommt man noch Disziplinarverfahren am Hals wegen Körperverletzung im Amt. Andererseits hat man dann wirklich Sadisten bei der Polizei. Das war nicht mein Ding. Das habe ich sechs Jahre lang toleriert und dann war für mich Schluss.

SCHALKE UNSER:
Einen sicheren Arbeitsplatz aufzugeben ist ganz schön mutig.

MARCEL ROZGONYI:
Meine Mutter ist fast zusammengebrochen und sah mich schon als Sozialfall auf der Straße enden. Meine Familie wohnt mittlerweile in Berlin. Irgendjemand hat sie angerufen und ihr gesagt, dass ich asozial wäre und auf der Straße leben würde. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch Polizist.

SCHALKE UNSER:
Wir haben gehört, dass du nebenbei auch studiert hast, und zwar Print- und Mediendesign.

MARCEL ROZGONYI:
Das war nach meiner Zeit beim Bundesgrenzschutz. Zuerst habe ich in Cottbus und dann in Magdeburg studiert, wo ich das Studium letztes Jahr abgeschlossen habe. Jetzt kann ich mit dem Studium auch nichts mehr anfangen, weil ich da längst wieder ´raus bin. Die ganze Sache ist sehr innovativ und schnelllebig.

SCHALKE UNSER:
Kannst du dir vorstellen, nach deiner Karriere wieder in diesen Beruf einzusteigen?

MARCEL ROZGONYI:
Wenn es nicht anders geht. Im Moment mach ich mir gar keine Gedanken darüber; erst, wenn es soweit ist. Jetzt konzentriere ich mich erst mal ganz auf den Sport.

SCHALKE UNSER:
Eine Frage, die vor allem unsere weiblichen Leser interessieren wird: Hast du überhaupt Zeit für eine Freundin?

MARCEL ROZGONYI:
Meine Freundin schließt gerade ihr Studium in Cottbus ab. Sie war vor kurzem noch für ein halbes Jahr in Kapstadt. Die Umstellung von Südafrika auf das winterliche Ruhrgebiet fällt ihr im Moment etwas schwer, vor allem, weil sie hier noch niemanden kennt. Aber das wird schon.

SCHALKE UNSER:
Wie schmeckt dir das Ruhrgebiet, besonders Gelsenkirchen?

MARCEL ROZGONYI:
Ehrlich gesagt, ich war noch nie in der Gelsenkirchener Innenstadt. In Buer war ich schon mal, bei Saturn. Da hab´ ich mich mit einem Verkäufer herumgestritten, weil der mir eine falsche Navigations-CD verkauft hat. Ich wohne auch nicht in Gelsenkirchen, sondern in Marl. Im Osten gibt es so schöne Einkaufszentren, aber so etwas wie den „Marler Stern“ hab´ ich noch nie gesehen. Das ist doch kein Einkaufszentrum. Das Ding sieht aus wie ´ne U-Bahnstation.

SCHALKE UNSER:
Vom Westen zurück in den Osten. Wie erklärst du dir den dortigen Rechtsruck bei vielen Jugendlichen?

MARCEL ROZGONYI:
Keine Ahnung. Viele sagen, es gibt zu wenig Jugendclubs. Ich war noch nie in einem Jugendclub und bin kein Faschist geworden. Andere sagen „Zugehörigkeitsgefühle“; was weiß ich. Für mich sind das alles nur Ausreden: „Ich habe Ausländer verdroschen, weil ich ´ne schwere Kindheit hatte.“ Die Strafen dafür sind viel zu niedrig. Überhaupt das Strafgesetz in der Bundesrepublik. Da fährt man einmal besoffen um den Block und das ganze Leben ist im Arsch. Andere vergewaltigen kleine Kinder und machen schwer auf psychisch geschädigt oder begründen es damit, dass ihre Eltern sich haben scheiden lassen.

SCHALKE UNSER:
Was erwartest du von der Rückrunde? Wie erlebt die Mannschaft diese Umbruchsituation?

MARCEL ROZGONYI:
Es geht weiter. Ich weiß nicht, wie die anderen es sehen, aber ich finde es schade, dass Huub Stevens aufhört. Andererseits ist jetzt klar, dass er geht, und das bringt bestimmt noch einmal Unruhe in die Mannschaft. Fußballspielen ist ja immer auch eine Kopfangelegenheit, vielleicht platzt jetzt endlich der Knoten. Die Chemie in der Truppe passt, die Charaktere sind gut. In den ganzen Vorbereitungsspielen haben wir kaum Gegentore kassiert, und Chancen hatten wir in der Hinrunde zuhauf.

SCHALKE UNSER:
Hast du noch eine Botschaft an das Publikum?

MARCEL ROZGONYI:
Feuert die Jungs an und macht ordentlich Stoff! Buh-Rufe helfen nicht weiter, wenn es mal nicht so gut läuft.

SCHALKE UNSER:
Wir bedanken uns für das Gespräch. Glück auf.


Theo, wir fahr‘n nach Lech

(stu) Am 9. November 2001 fuhr eine neunköpfige Projekt-Delegation nach Poznan in Polen, um das weitere Vorgehen im Projekt „Dem Ball ist egal, wer ihn tritt“ zu erörtern und die bestehenden Kontakte der Schalker Fan-Initiative zum Verein Lech Poznan und dessen Fans zu erweitern und vertiefen.

Am Samstag fand ein ganztägiges Projektgespräch statt, bei dem die Grundsteine für den neuen Internetauftritt des Projektes gelegt und die weitere Vorgehensweise für den Ghana-Film als wesentliches Projektprodukt besprochen wurden. Der Sonntag war ganz dem Verein Lech Poznan gewidmet.

Vormittags fand sich die Delegation in das Vereinsheim des polnischen Zweitligisten ein, in dem ein sehr informativer Austausch mit dem Marketingchef des derzeitigen Tabellenführers stattfand. Danach wurden Kontakte zu führenden Vertretern der dortigen Fanszene geknüpft. Anschließend ging es – wie es sich gehört – ins Stadion, wo sich Lech im Pokalspiel gegen den eine Klasse höher spielenden Gegner aus Grochlin mit 0:2 leider geschlagen geben musste. Alles in allem war es ein sehr produktiver Besuch, der für die Zukunft des Projektes Einiges verspricht.


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(bob) Buchstäblich hämmerte die Schalker Fan-Initiative pünktlich zur Jahreswende den Ball ins Netz. Damit eröffneten wir die Homepage zum laufenden Projekt „Dem Ball ist egal, wer ihn tritt“. Kein geringerer als Initiativen-Mitglied Yyyves Eigenrauch eröffnete die Seiten am 14. Dezember 2001 im Fan-Laden, indem er sich im Chatroom den Fragen der Fans stellte. Über zweieinhalb Stunden lang ging es rund um den Ball und ums runde Leder. Die beteiligten Sponsoren und Projektler feierten dann auch gleich einen gelungenen Start, und, wie wir meinen, eine sehr gute neue Informationsquelle über unser laufendes Projekt und die nächsten Vorhaben.Über Rassismus in heimischen Gefilden und auch in Europas Stadien kann man genauso viel lesen, wie im Transfermarkt über Angebote für Lehrer und Leute, die sich mit dieser Problematik beschäftigen und arbeiten wollen. Sicherlich auch interessant für den Fan, der nicht nur wegschauen will.

Den „Tor des Monats“ spielt diesmal übrigens DFB­Chef Gerhard Mayer­Vorfelder. Warum? Da müsst Ihr schon mal selber schauen. Apropos schauen: Das Video aus Montecchio (das auf dem Arena-Videowürfel beim vermalledeiten Bremen­Spiel im Vorprogramm lief) von der antirassistischen Fußball-Fan-Weltmeisterschaft, die im Juli 2001 in Italien stattfand, könnt Ihr Euch kostenfrei herunterladen. Gleiches gilt auch für den Bildschirmschoner (Motiv Projektlogo) sowie die Spuckis aller Initiativen, die bundesweit was gegen Rechts machen. Trickkiste, Kabinengeflüster, Neues, Links und vieles mehr. Aber wie gesagt: selber klicken.

Wie wichtig unsere Arbeit ist, bekamen wir noch kurz vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe serviert. Am 6.1.2002 fand in Chemnitz im „Goldenen Löwen“ ein Schalker Fantreffen (Bezirk 14) statt. Dort strebte ein gewisser André Kuhn (von „Blue White Shark Attack“) aus Dresden zu einem Amt im hiesigen Fanclub-Bezirk.

Bis hierhin eigentlich ein Sachverhalt, der sich noch völlig normal anhört. Wenn nicht der gleiche André Kuhn einer der führenden Neonazis aus Dresden wäre, der auch national im Ordnerdienst als Leiter und als körperverletzender Versammlungsleiter verbotener Versammlungen bekannt wäre.

Der Verein Schalke 04 und auch der Schalker Fanclub-Dachverband haben zwischenzeitlich bereits gehandelt und festgestellt, dass es keinen Platz (noch nicht mal einen Sitzplatz) für diesen Herrn und seine rechte Gesinnung gibt.


Noch ein Reförmchen?

(pr) Bei der WM 2002 sollen offensichtliche Schwalben und vorgetäuschte Verletzungen erstmals auch mit einer roten Karte bestraft werden können. Auch Spielverzögerungen sollen härter bestraft werden. Früher war alles besser. Zumindest war es anders.

Als 1846 Studenten der englischen Universität Cambridge die ersten Fußball­Regeln erstellten, legten sie fest, dass ein Team aus 15 bis 20 Spielern bestehen kann. Eine Beschränkung auf elf Spieler wurde erst 1870 vom englischen Fußballverband vorgenommen. Das Cambridge­Regelwerk von 1846 legte auch die Spielkleidung fest: Die Hosen mussten über die Knie reichen, die Spieler mussten Mützen mit Quasten tragen.

1865 wurde die Torhöhe auf 2,44 Meter festgelegt, als Begrenzung diente eine in dieser Höhe gespannte Schnur. Erst 1875 löste die Querlatte die Schnur als obere Begrenzung ab. Zur gleichen Zeit wurden auch die Halbzeitpause, der Seitenwechsel und eine einheitliche Ballgröße in die Regeln aufgenommen. Ebenso wurde den Feldspielern ab sofort das Handspiel untersagt, nur der Torwart durfte den Ball in der eigenen Hälfte noch mit der Hand spielen, musste ihn aber nach zwei Schritten wieder freigeben.

1872 registriert die englisch Football Association die erste offizielle Verletzung. Leutnant Crosswell von den Royal Engineers bricht sich im Pokalfinale das Schlüsselbein, hält aber bis zum Spielende durch. Bis 1873 wurden Streitigkeiten zwischen den Mannschaftskapitänen regelt, dann tauchte in den Regeln erstmals der Schiedsrichter auf, ein Sachverhalt, der rückblickend betrachtet von vielen als Fehler eingestuft wird. In Regel 15 hieß es: „Im Einvernehmen, der an den Spielen beteiligten Mannschaften, kann ein Schiedsrichter bestellt werden, dessen Pflicht es sein soll, in allen Streitfällen der Umpires (Unterschiedsrichter) zu entscheiden. Bei ungebührlichem Betragen eines Spielers, soll er den schuldigen Spieler verwarnen und bei grob unsportlichem Betragen vom Spiel ausschließen.“ Die alleinige Entscheidungsbefugnis und die Erlaubnis, das Spielfeld zu betreten, erhielten die Schiris erst 1890, zeitgleich wurden die Umpires abgeschafft und die Linienrichter eingeführt.

Nationalspieler Sam Widdowson von Notthingham Forrest erhielt 1874 das Patent auf die von ihm erfundenen Schienbeinschützer, die danach vorgeschrieben waren. 1875 wird zu einem bitteren Jahr für die Queens Park Rangers. Der Verein, der acht Jahre zuvor als erster schottischer Fußballverein gegründet wurde, kassiert sein erstes Gegentor. Ob dies zu einer Trainerentlassung führte, ist nicht überliefert.

1882 folgte die Festlegung, dass beim Einwurf beide Hände benutzt werden dürfen. Was würde Tomasz Hajto heute ohne diese Reform machen? 1890 kamen die Tornetze, ein Jahr später der Elfmeter. Und 1896 wurde in den „Jenaer Regeln“ festgelegt, dass in Deutschland die Spielfelder frei von Bäumen und Sträuchern sein müssen. Auch darüber sollte man vielleicht noch mal nachdenken.

Die Reformwut ging zu Beginn des 20. Jahrhunderts weiter. 1902 wurde dem Torwart das Handspiel nur noch im eigenen Strafraum gestattet, aus dem Strafraumhalbkreis wurde ein Rechteck und die Bestimmung wurde aufgehoben, dass die Hosen der Spieler die Knie bedecken müssen. Ebenso wurden Metalleinlagen in Fußballschuhen untersagt, das Abseits in der eigenen Hälfte aufgehoben und der „gebührende Abstand“ beim Freistoß auf zehn Yards (= 9,15 Meter) festgelegt. 1920 wurde das Abseits beim Einwurf aufgehoben und ab 1924 durfte ein Eckball direkt verwandelt werden.

1939 führte man Rückennummern ein, dann war erst mal 25 Jahre Ruhe. Erst 1965 wurde das Auswechseln eines verletzten Spielers gestattet, ein Jahr später wurde dies unabhängig von einer Verletzung erlaubt. 1970 wurden nach einer Idee des englischen Schiedsrichters Ken Aston gelbe und rote Karten eingeführt, ebenso das Elfmeterschießen. Seit 1974 gibt es die automatische Sperre nach mehreren gelben Karten, seit 1983 die rote Karte für eine Notbremse, 1984 kam die gelbe Karte für „überschwänglichen Jubel“ und 1991 die gelb-rote Karte. Der Rückpass zum Torwart wurde verboten, drei Ersatzspielern erlaubt.

Die bislang letzte gravierende Regeländerung gab es 1996 mit der Einführung des „Golden Goal“. Die ursprüngliche Bezeichnung „Sudden Death“ war den obersten Regelhütern der FIFA zu heftig.


Die Randgruppenecke

Diesmal:
- Gerhard Mayer­Vorgestern

Das Herz am rechten Fleck

Initiativen, Spieler und Fangruppen kämpfen seit langem gegen Gewalt und Rassismus im Fußballstadion. Nun gibt es eine Wanderausstellung „Tatort Stadion. Rassismus und Diskriminierung im Fußball“, die vom „Bündnis Aktiver Fussballfans“ (BAFF) konzipiert und bereits am zweiten Ausstellungsort nach Berlin nun in Hamburg zu sehen ist.

Einer ihrer prominenten Schirmherren ist Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, ein anderer ist Michael Preetz, der Vertreter der Spieler-Vereinigung VdV. Auch der DFB gehörte anfangs zu den Förderern der Ausstellung und hatte 5000 Euro zugesichert. Doch plötzlich zog er seine Zusage zurück.

Der Grund: In der BAFF­Ausstellung taucht auch der amtierende DFB­Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder auf – mit äußerst fragwürdigen Äußerungen. „Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und stattdessen die Polen, diese Furtoks und Lesniaks, spielen?“, wird er dort zitiert. Und an anderer Stelle heißt es: „Wenn beim Spiel Bayern gegen Cottbus nur zwei Germanen in den Anfangsformationen spielen, kann irgendetwas nicht stimmen.“ Und schließlich ist da auch noch die Reaktion Mayer-Vorfelders auf den WM-Titel 1998 der französischen Nationalmannschaft nachzulesen: „Hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest.“

Der DFB zeigte den Ausstellern für so viel Zitierfreude die rote Karte, weil sie, so Pressechef Gerhard Meier-Röhn, mit „willkürlichen Zitaten, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen sind“, den DFB-Präsidenten diffamiere und versuche, ihn in die rassistische Ecke zu stellen. Dabei geht es im Kern gar nicht darum, Mayer-Vorfelder zu diffamieren, sondern ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er als Vorbild für Millionen Jugendlicher aufpassen muss, rechten Fangruppierungen nicht in die Hände zu spielen.

Und das wäre sicher auch nicht im Sinne des DFB. Denn der hat sich schon früh in der Anti-Rassismus-Kampagne engagiert. So 1992 mit der Kampagne „Mein Freund ist Ausländer“ und jetzt vor allem mit dem Plan, den Anti-Rassismus in die Satzung jedes Mitglied-Vereins aufzunehmen. Doch die Ausstellung zeigt auch die schwierige Vergangenheit des DFBs. So soll 1978 eine Delegation des DFBs bei der WM in Argentinien dem Wehrmachtsoberst Hans-Ulrich Rudel seine Aufwartung gemacht haben.

Jetzt haben Deutschlands höchsten Fußballrepräsentanten seine Stammtischparolen – von denen er sich noch nie öffentlich distanziert hat – eingeholt. Doch der DFB scheint nicht gewillt, sich den zweifelhaften Aussagen seines Präsidenten zu stellen. Im Gegenteil: Er übt Druck aus und versucht, die breite Unterstützung für die Ausstellung zu torpedieren – mit Erfolg: Der HSV, Schalke und der BVB haben ihre Unterstützung inzwischen abgesagt, und Michael Preetz hat seine Schirmherrschaft zurückgezogen. Dennoch machen die Initiatoren weiter und werden sich dem Druck nicht beugen lassen. Weitere Ausstellungen sind in Hannover, Frankfurt und München geplant. Und auch in unserer Nähe wird sie zu sehen sein: Vom 18.2. bis 15.3. in Bochum im Einkaufszentrum „City Point“ in der Fußgängerzone.


Veni Vidi Verdi (Aida 1)

(sr) Einmal selbst auf dem grünen Rasen stehen, von 60.000 Menschen bejubelt ­ welcher Fußballfan, der es wegen fehlenden Talents oder mangelhaften Durchsetzungsvermögens versäumt hat, eine Karriere als Bundesligaprofi zu machen, träumt nicht davon? Anfang September ging dieser Traum für etwa 600 Leute in Erfüllung: als Statist bei „Aida“ in der Arena „Auf Schalke“.

Bereits im Mai, genauer gesagt an jenem verhängnisvollen Wochenende, an dem Schalke sich die Chance auf den Gewinn der Meisterschaft in Stuttgart vermasselte, fand das Casting für die Aufführung der „Aida“ im Parkstadion statt. Teilnehmen konnte eigentlich jeder, der Zeit, Lust und Laune für das von der niederländischen Produktionsfirma „Companions“ veranstaltete Mammutprojekt aufbringen konnte; zuvor gemachte Erfahrungen auf künstlerischem Gebiet waren nicht erforderlich. Gesucht wurden Handwerker, Soldaten, Generäle, Priester, Träger, Hofdamen und Sklaven.

Trotz des großen Interesses stellte sich gleich zu Beginn ein Problem ein: Die meisten der 2000 Menschen, die an diesem Wochenende zum Casting kamen, waren Frauen. Männer hingegen waren Mangelware. Dabei benötigte man für die Oper wesentlich mehr männliche als weibliche Statisten, so dass praktisch alle männlichen Bewerber genommen wurden, während von den vielen weiblichen nur ein Bruchteil zu den im August beginnenden Proben eingeladen wurden.

Die Proben fanden dann unter Leitung des Chefbühnenleiters Jasper Barendregt und der beiden Regieassistenten Gemma van Zeventer und Scott Agnew sowie Executive Producer Francois Leroux in einer Halle im Gewerbegebiet an der Uechtingstraße in Schalke statt, während sich Regisseur Petrika Ionesco eher selten persönlich blicken ließ. Da die erste Probe für den 18. August angesetzt war, erforderte die „Aida“-Teilnahme von den Schalkefans unter den Statisten ihr erstes Opfer: Die Bundesligapremiere in der gerade erst fertiggestellten Arena „Auf Schalke“ gegen Leverkusen fand ohne uns statt. Doch der enorme Spaß an den ersten Proben und die Aussicht, die Arena bald auf eine Art und Weise kennenzulernen, wie sie den meisten Menschen immer verwehrt bleibt, ließen diesen Umstand leicht verschmerzen.

Bei dieser ersten Probe erfuhren wir, dass die einzelnen Gruppen (Soldaten, Priester etc.) noch einmal in Untergruppen von je maximal zwölf Personen aufgeteilt wurden, welche wiederum von sogenannten „Corps leader“ angeführt wurden. Bei den ersten Proben waren dann auch nur „Corps leader“ anwesend. Die Massenszenen, wie beispielsweise der Triumphmarsch, wurden dann mit ihnen einstudiert, und an den folgenden Tagen hatten sie die Aufgabe, den restlichen Statisten zu erklären, was sie in welcher Szene zu tun hätten.

Die Bühne war bereits mit Kreide auf dem Boden der Halle skizziert: In der Mitte befand sich das rautenförmig angelegte sogenannte Zentralelement, gegenüber der Nordkurve das Grab für die Schlussszene sowie die heilige Insel, im Süden die Plattform für das Orchester und das sogenannte Amneriselement. Überall am Rand waren dorfähnliche Lager angelegt sowie jeweils an der Nordkurve und der Südtribüne Militärcamps. Auch die vier Tore, durch die man von außerhalb in die Arena gelangen kann und sich jeweils in den Ecken des Stadions befinden, waren skizziert, denn durch diese kamen wir schließlich auf die Bühne und von dieser wieder herunter. Für jedes Tor war jeweils ein Bühnenleiter für die Koordination der Auf- und Abgänge zuständig. Da die Proben im Gewerbegebiet fast reibungslos klappten, die meisten der Statisten sich untereinander gut verstanden und die Zusammenarbeit mit den meist sehr jungen holländischen Bühnenleitern in lockerer Atmosphäre stattfand, war die Stimmung prächtig und die Vorfreude auf die Arena groß.

Am Dienstag vor der Aufführung war es dann endlich soweit: die erste Probe in der Arena. Was für ein tolles Gefühl, durch das Tor an der Ecke Süd-/Gegentribüne in den Stadioninnenraum einzutreten, sich vorzustellen, die noch leeren Plätze im Zuschauerraum seien gefüllt!

Doch mit der anfänglichen Euphorie war es bald vorbei. Die Umstellung von der Halle auf die Arena, in der die Distanzen erwartungsgemäß größer waren, das anstrengende Marschieren und Rennen durch den Sand und vor allem die vielen technischen Probleme, gerade was die Akustik betrifft, sowie viele Änderungen im Szenenablauf ließen die Stimmung unter den Statisten allmählich umkippen. Selbst bei einer Zusatzprobe am Tag der Aufführung kam es noch zu Korrekturen; Szenenabläufe, die hundertmal einstudiert worden waren, wurden noch geändert. Negativer Höhepunkt war sicher die öffentliche Probe zwei Tage vor der Aufführung. Jeder Statist
hatte als Dankeschön von „Companions“ zwei Freikarten für Freunde und Verwandte erhalten. Doch als es dann soweit war, wurden die Zuschauer zunächst einmal nicht eingelassen.

Der Grund war, wie man später in der „Buerschen Zeitung“ lesen konnte, „Ärger mit der Baugenehmigung für den Aufbau wegen der aufwändigen pyrotechnischen Anlagen.“ Wie aus Kreisen der Statistenbetreung zu erfahren war, hatte man die öffentliche Probe zwar genehmigen lassen, aber die „FC Schalke 04-Stadion-Betriebsgesellschaft“ als Veranstalter hatte es versäumt, ausreichend für Sicherheitsmaßnahmen zu sorgen. Daraufhin ließen die Statisten, die sich auf der Bühne befanden sämtliche Requisiten fallen, begaben sich zum Zentralelement und drohten mit einem Boykott der Aufführung, sollte man die Zuschauer nicht einlassen. Plötzlich war das Sicherheitsproblem offenbar gebannt und die Probe konnte vor Publikum stattfinden.

Am Samstag den 1. September war schließlich der Tag der Aufführung. Während sich etwa zeitgleich eine nicht weiter nennenswerte Fußballmannschaft irgendwo in Bayern England mit 1:5 geschlagen geben musste, zelebrierten wir unter Leitung von Generalmusikdirektor Johannes Wildner Verdis „Aida“. Später sollte die Tagespresse zwar die musikalische Leistung von Orchester, Chor und Solisten (Olga Romanko als Aida, Ghena Dimitrova als Amneris, Ignacio Encians als Radames u.a.) loben; an der monumentalen Art der Inszenierung, die eher an einen Hollywoodstreifen als an eine postmodern interpretierte Oper erinnerte, schieden sich jedoch die Geister.

Nach der Aufführung feierten Produktionsteam und Statisten noch bis in die Nacht und freuten sich bereits auf die zweite Darbietung der „Aida“ am 14. September vor rund 80.000 Zuschauern im „Stade de France“ in Paris. Die Reise nach Frankreich wurde dann leider durch die Ereignisse in New York überschattet.